Unser Denken bestimmt maßgeblich, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen und wie glücklich oder unglücklich wir sind. Dabei verlässt sich unser Gehirn oft auf bewährte Abkürzungen und Strategien, um alltägliche Entscheidungen zu treffen.
Diese sogenannten Denkfehler helfen uns zwar, schnell zum Ergebnis zu kommen, können uns aber auch in eine negative Spirale ziehen, die unser Glück beeinträchtigt.
Unsere Gedanken laufen unaufhörlich, ob wir es wollen oder nicht. In unserem Alltag nehmen wir ständig Informationen auf und verarbeiten diese mithilfe von mentalen Abkürzungen, die uns dabei helfen, schneller Entscheidungen zu treffen. Diese Abkürzungen sind grundsätzlich erstmal gut und wichtig. Es sparrt nämlich sehr viel mentale Energie. Sie können allerdings auch dazu führen, dass wir zwar Energie sparen, aber auch eher zu negativen Schlüssen kommen, die dazu führen, dass wir uns nicht gut fühlen.
Denn leider hat unser Gehirn die automatische Angewohnheit sicherheitshalber vom allerschlimmsten auszugehen. Es will uns schützen – vor Ablehnung anderer menschen und allem, was sonst noch so als Gefahr aussehen könnte.
Doch wie kannst du diese fehlerhaften Denkmuster erkennen und letztlich ändern? Im Folgenden zeige ich dir die fünf häufigsten Denkfehler, die dich potenziell unglücklich machen, und gebe dir praktische Tipps, wie du sie hinterfragen und transformieren kannst.
Gedankenlesen – Mehr Annahmen, weniger Realität
Beim Gedankenlesen neigen wir dazu, uns vorzustellen, dass wir wissen, was andere Menschen denken. Du stehst vielleicht vor einer Gruppe, gibst eine Präsentation und bemerkst einen skeptischen Gesichtsausdruck in den Reihen. Sofort denkst du: „Der hält mich für inkompetent!“ Dabei interpretierst du nonverbale Signale oft falsch und projizierst deine eigene Unsicherheit auf dein Gegenüber.
Das kannst du tun:
- Nachfragen: Wenn du unsicher bist, was jemand denkt, stelle lieber eine offene Frage, anstatt eigene Schlüsse zu ziehen. „Du schaust skeptisch. Magst du teilen, was dir durch den Kopf geht?“
- Welche Möglichkeit gibt es noch? Welche Möglichkeiten gibt es noch, dass jemand mit einem unzufriedenen Ausdruck in deiner Präsentation sitzt? Vielleicht hat die Person Bauchschmerzen. Vielleicht hat die Person dir gar nicht richtig zugehört und macht sich Sorgen um etwas komplett anderes. Vielleicht konzentriert sich die Person auch einfach nur besonders stark und hat deswegen halt so einen Gesichtsausdruck?
Personalisieren – Nicht alles hat mit dir zu tun
Personalisieren ist ähnlich dem Gedankenlesen. Beim Personalisieren beziehst du das Verhalten und die Emotionen anderer Menschen automatisch auf dich. Wenn ein Kollege schlecht gelaunt ist, denkst du vielleicht sofort: „Was habe ich falsch gemacht?“ Dabei kann es viele Gründe für sein Verhalten geben – die nichts mit dir zu tun haben. Beim Personalisieren gehts du aber automatisch davon aus, dass es etwas mit dir zu tun hat.
Das kannst du tun:
- Welche Möglichkeiten gibt es noch? Auch hier kannst du dich fragen, welche Möglichkeiten es noch gibt. Vielleicht hat der Kollege gerade ein schwieriges Gespräch hinter sich und dies hatte nichts mit dir zu tun. Oder auch einfach Bauchschmerzen.
- Es dreht sich nicht immer alles um dich. Harte Aussage. Aber ist es nicht eigentlich auch ziemlich egoistisch, davon auszugehen, dass die Laune deines Kollegen automatisch etwas mit dir zu tun hat? Die Welt dreht sich nicht nur um dich.
- Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden. Angenommen, der Kollege wäre tatsächlich aus irgendeinem Grund sauer auf dich, vertraue darauf, dass nur sprechenden Menschen geholfen werden kann. Wenn es etwas ist, was ihn wirklich stört, dann wird er dir das sagen. Das liegt in seiner Verantwortung. Sich vorher also schon Sorgen zu machen, ist relativ sinnlos.
Externalisieren – Verantwortung abgeben und Chancen verpassen
Externalisieren ist das Gegenteil von Personalisieren und bedeutet, alle Ursachen für dein Scheitern oder deine Probleme im Außen zu suchen. Du denkst zum Beispiel: „Niemand findet in diesen schlechten wirtschaftlichen Zeiten einen Job – also auch ich nicht.“ Dadurch gibst du deine eigene Verantwortung ab und verhinderst, aktiv gegen deine Herausforderungen vorzugehen. Es liegt alles außerhalb deiner Kontrolle und du kannst sowieso nichts machen. Es wird ein Teufelskreis aus Passivität und mangelnder Motivation.
Das kannst du tun:
- Ziele setzen und verfolgen: Statt negative Umstände als vorgegeben hinzunehmen, fokussiere dich darauf, was du tun kannst, um deine Situation zu verbessern.
Katastrophendenken – Aus einer Mücke einen Elefanten machen
Katastrophendenken ist das ständige Ausmalen des schlimmstmöglichen Szenarios. Im Prinzip fällst du beim Katastrophendenken in eine Abwärtsspirale, in der du ein negatives Ereignis immer weiter spinnst. Wenn du zum Beispiel einen kleinen Fehler im Job gemacht hast und dann denkst „Der Fehler kostet mich bestimmt meinen Job, ich werde arbeitslos, meine Frau wird mich verlassen und ich werde auf der Straße landen und nie wieder meine Kinder sehen.“ In deinen Gedanken landest du von einem kleinen Fehler direkt unter der Brücke. Das schlimmste was jemals passieren könnte wird in deinen Gedanken wahr.
Rational betrachtet, natürlich überzogen. Aber für Menschen, die zum Katastrophendenken neigen, passieren diese Rückschlüsse innerhalb von Sekunden. Das wird zu einer echten Angst.
Das kannst du tun:
- Gedankenstopp-Methode: Wenn du merkst, dass du in eine Katastrophenspirale gerätst, rufe laut „Stopp!“ – das hilft, den Gedankenkreislauf zu unterbrechen. Du kannst es laut rufen, du kannst es denken, dir ein rotes Stoppschild vorstellen oder du nutzt zum Beispiel ein Armband oder Zopfgummi und klatscht es dir einmal leicht aufs Handgelenk. Der physische Reiz hilft, dich aus der Spirale zu befreien.
- Wie würdest du mit der Katastrophe umgehen? Vorsicht, das funktioniert nicht bei allen Menschen. Bei einigen kann es alles noch schlimmer machen. Stell dir mal vor, das allerschlimmste, was passieren könnte, passiert tatsächlich? Könntest du dann damit umgehen? Und wenn ja, wie würdest du damit umgehen? Wenn du einen Game-Plan für die größte Katastrophe hast, dann kann es dir helfen, dich sicherer zu fühlen.
- Schrittweise Auseinandersetzung: Nimm dir mal ganz rational deine Angstspirale vor und überlege dir, wie wahrscheinlich jeder Schritt ist. Wie wahrscheinlich ist es, dass du wegen eines kleinen Fehlers total viel Ärger im Job bekommst? Wie wahrscheinlich ist es, dass du wegen eines Fehlers deinen Job verlierst? Und so weiter. Hinter jeden dieser Schritte setzt du eine Wahrscheinlichkeit. Am Ende rechnest du alle Wahrscheinlichkeiten mit einander mal, damit eine Gesamtwahrscheinlich der Katastrophe herauskommt. Das Ergebnis wird vermutlich irgendwie bei 0.0…liegen.
Willkürliche Schlussfolgerungen – Schnell urteilen, ohne alle Fakten zu kennen
Die Willkürliche Schlussfolgerung tritt dann auf, wenn dir wichtige Informationen zu einem Ereignis fehlen, du aber trotzdem sofort eine meist negative Schlussfolgerung ziehst.
Zum Beispiel eine E-Mail von deiner Chefin mit „Ruf mich sofort an!“. Es könnte natürlich viele Gründe haben, warum sie mit dir sprechen möchte. Vielleicht gibt es wichtige Informationen, die sie mit dir teilen muss. Vielleicht hat ein Kunde besondere Wünsche. Aber deine Schlussfolgerung ist erstmal, dass du etwas falsch gemacht haben musst. Vielleicht hast du einen Fehler gemacht? Vielleicht gibt es jetzt Ärger?
Das kannst du tun:
- Welche Möglichkeiten gibt es noch? Auch hier kannst du dich fragen, welche Möglichkeiten es noch gibt. Vielleicht hat der Kollege gerade ein schwieriges Gespräch hinter sich und dies hatte nichts mit dir zu tun. Oder auch einfach Bauchschmerzen.
Fazit: So gehst du mit deinen Denkfehler um:
Das Auftreten von Denkfehlern können wir nicht verhindern, dafür treten sie viel zu schnell und automatisch auf. Aber das Erkennen von Denkfehlern ist ein erster guter Schritt in die richtige Richtung. Denn dann können wir uns erwischen, wenn sie auftreten und uns genau dessen bewusst machen.
„Hey, Moment mal. Stimmt das eigentlich, was ich gerade denke? Oder falle ich gerade auf einen Denkfehler rein?“
Danach kannst du immer noch die entsprechende Strategie für den passenden Denkfehler anwenden.
